Mal wieder ein Kommentar zum Wahlkampf im Internet …
Der Krieg in Afghanistan – der auch von deutschen Soldaten seit 8 Jahren mitgetragen wird – ist aktuell gerade mal wieder ein Thema in den Medien.
tagesschau.de: Bitterer Realismus in Afghanistan
Seit einer Woche kämpft die Bundeswehr an der Seite afghanischer Sicherheitskräfte im Norden des Landes gegen die Taliban – erstmals setzen die deutschen Soldaten dabei auch schwere Waffen ein.
Die Netzgemeinde scheint bei diesem Thema in fast zwei gleich grosse Lager gespalten zu sein, wie eine Umfrage auf der ZDF-Plattform Open-Reichstag zeigt …
… was durchaus interessant ist, denn andere Umfragen zeigen eine starke Ablehnung des Kriegs in der Gesamtbevölkerung.
Und was sagen die Parteien jetzt dazu? Ich verlinke mal kurz die Ergebnisse meiner Recherche zu diesem Thema auf YouTube.
Für den provokativen Anfang (war das aktuelleste Video, dass ich gefunden hatte) hier ein Spot, welcher von der NPD (oder NPD Sympathisanten) erstellt wurde – gegen den Krieg in Afghanistan:
Die Grünen – vor 8 Jahren Steigbügelhalter für den Einsatz – rudern jetzt zurück von ihrer Pro-Afghanistan-Einsatz-Haltung. Hier der Grünen-Politiker Winfried Nachtwei:
Aber leider nur ein Clip aus dem TV. So geht es übrigens mit fast allen etablierten Parteien. Deswegen spare ich jetzt mal den Rest der Clips. Auf YouTube hab ich während meiner kurzen Recherche nur Mitschnitte aus TV und von Konferenzen gefunden.
Etwas mehr kompakte und aufgearbeite Clips wären wirklich wünschenswert – noch erhält der Wähler auf Youtube keinen guten Überblick zu den Positionen der Parteien.
Alleine wenn man die Worte “SPD Afghanistan” in die Suchmaske von Youtube eingibt, sieht man, wie es um den Deutschen-Online-Wahlkampf bestellt ist. Da kommt so gut wie nix, was einem die Position der SPD kurz und knapp näher bringt.
Dann darf man sich nicht wundern, wenn man das Internet den (Rand-)Parteien überlässt.

Vielleicht halten die Parteien es auch so, wie sie es in der Regel mit der Asylpolitik halten: Zu einem Zeitpunkt, an dem man niemals mehr als drei Worte aneinanderreihen kann, ohne dass in der Hitze des Gefechts etwas anderes daraus gemacht wird (siehe Oettinger und Mehrwertsteuererhöhung), ist man mit Themen, die mehr Tiefgang verlangen, etwas vorsichtiger, weil man sonst den Extremisten Stimmen in die Tasche diskutiert.
Klar ist ja, dass ein einfaches “Raus aus Afghanistan” oder “Krieg bis zum Sieg” keine Lösungen darstellen. Für mehr reicht es aber nicht vor einer Wahl.
Schröder hat mit seinem “Keine Experimente” vorm Irakkrieg bereits außenpolitisches Porzellan zerdeppert – während die Entscheidung bezüglich des Krieges sicher kein Fehler war, war die Verwendung des Themas für den Wahlkampf reiner Populismus. Wären die USA nicht ohnehin zu verblendet gewesen, um auf einen Krieg zu verzichten, hätte diese Aussage leicht das Gegenteil bewirken können und hätte durch die Offenbarung der Zerstrittenheit der westlichen Mächte den Krieg nur noch wahrscheinlicher gemacht.
Also ich meine, dass in ein YouTube-Video von 2 bis 3 Minuten wirklich viel mehr passen würde als “Raus aus Afghanistan” oder “Krieg bis zum Sieg”.
Und die Vernantwortlichen für den aktuellen Einsatz, wären einem dieses auf jeden Fall schuldig.
Kann verstehen, dass man da wohl nicht die dicken Punkte beim Wähler macht, wenn man in der Defensive ist. Aber das Feld einfach zu ignorieren und es den anderen zu überlassen finde ich unverantwortungsvoll. Dann wird so ein Thema halt von der NPD besetzt.
Kann mir vorstellen, dass da noch mehr mitreden werden
Natürlich. Und auch in der Tagesschau kann man mehr als drei Worte sagen. Der Zuschauer hört allerdings nach dem ersten Atemzug nicht mehr zu. Ein Fahrplan für den Rückzug, allerdings ohne genaues Datum? Zu kompliziert. Stabilisierung durch massive Investitionen, um einen Rückzug zu ermöglichen? Zu kompliziert. Usw.
Das Ergebnis ist dann, dass dem entsprechenden Politiker von beiden Rändern unentschlossenheit vorgeworfen wird, weil die nämlich mit “Raus aus Afghanistan” oder “Krieg dem Terror” auf jeden Fall klarere Positionen ergreifen können. Wenn man diese Diskussion unter diesen Umständen beginnt, kriegt man es genauso aufs Brot geschmiert. Die Wahrheit kostet Stimmen und die, die am Ende sowieso nicht auf die Probe gestellt werden, können aus dieser sicheren Position dann das Blaue vom Himmel herunterlügen, dass sogar die Stoiber vs Schröder Nummer dagegen wie eine wissenschaftliche Abhandlung wirken würde.
Bei anderen Themen ist das zwar nicht viel anders (Steuererhöhungen etc.), aber da betreffen die Wahrheiten am Ende die, die sich durch die Wahl den Scheiß eingebrockt haben. Die bittere Pille wird da so oder so geschluckt. man rechnet ja auch damit.
Bei einem Krieg ist das eine andere Nummer. Da muss man seine eigenen getöteten Soldaten bzw. Ausgaben für humanitäre Hilfe rechtfertigen und der Gewinn dadurch ist zu abstrakt, als dass dies in irgendeine Birne hierzulande hineingehen würde.
Natürlich kann man wie die Linke es fordert, die Flucht ergreifen und den Laden dort zusammenbrechen lassen, dann abwarten bis die Taliban Pakistan incl. Atomwaffen besitzen und sich erst anschließend überlegen, ob man hundert Millionen Menschenleben auslöscht, bevor man selbst ausgelöscht wird. Oder, wie die Linke es vermutlich auch dann noch probieren würde, insgeheim darauf zu hoffen, dass die USA das übernehmen, um es dann aus dem eigenen Elfenbeinturm heraus zu kritisieren.
Vielleicht scheine ich einer der letzten zu sein, der daran glaubt, dass die Menschen nicht dumm sind … sondern uninformiert – und sie haben wenig Zeit für Politik.
Natürlich neigt der Mensch zu einfachen Lösungen. Das ist vom Prinzip her auch eine gute Strategie … es reduziert die Komplexität auf ein notwendiges Minimum.
Am Anfang fängt man mit JA/NEIN an. Löst dieses nicht das Problem wird ein Kompromis benötigt … und das wir ein Problem in Afghanistan haben lässt sich nicht verleugnen.
Ein solcher Kompromis muss in ca. 2-3 Minuten vermittelbar sein. Er sollte das Problem klar beschreiben, eine Lösung mit fassbaren Zielen anbieten, bereits auf die klassischen Argumente der Gegenparteien eingehen (Abgrenzung oder Annäherung) … und natürlich keine groben Fehler oder bewusste Unwahrheiten enthalten.
Diese Aufmerksamkeitsspanne hat jeder, wenn es medial gut transportiert wird.
Wenn sowas zu Afghanistan nicht mehr machbar ist, dann haben wir bereits den Krieg – und unser Gesicht – verlohren … da wären wir nicht die ersten.
Nicht dumm, nur desinteressiert. Und selbst in 3 Minuten wirst du nicht die Auswirkungen eines sofortigen Rückzuges angemessen erklären können, egal wie wunderbar die aufbereitet sind.
Gäbe es eine Möglichkeit, längere Thesen unter das Volk zu bringen, hätte man von Edmund Stoiber beim Wahlkampf gegen Schröder eine klare Position zum Irakkrieg hören können. Da haben mit Sicherheit zwei, drei Experten dran gearbeitet. Ist ihnen nicht gelungen.
Möllemann hat ebenfalls beim Wahlkampf seine Israelkritik unter die Leute bringen wollen. Das was er versucht hat war vermutlich differenzierter als das, was tatsächlich rübergekommen ist. Hat aber auch nicht geklappt.
Es gibt Themen, mit denen man nicht so leichtfertig umgehen darf. Dazu gehört halt auch ein Krieg. Das heißt ja nicht, dass man nach der Wahl nicht trotzdem erwarten sollte, dass die Damen und Herren sich dazu äußern, von mir aus auch 2-3 Minuten auf Youtube. Nur halt nicht, wenn man allein mit der Diskussion die Radikalen pusht.