Schöner kurzer Bericht über den Internet-Wahlkampf. Auch mit dem SPD-Direktkandidat für Friedrichshain-Kreuzberg Björn Böhning. Meiner Meinung nach eine kleine Personal-Hoffnung für die Sozialdemokraten – immerhin gehörte er zu den Internet-Sperren-Gegnern in der SPD.
Immer wieder schön sind auch die Beiträge von Bauer Heinrich Schulte-Brömmelkamp aus Kattenvenne welcher er stätig auf der ZDF-Plattform OpenReichstag postet:
Denn nach all den Plakaten, 90 Minuten TV-Duell und 70 Minuten TV-Dreikampf bleibt doch wenig hängen, um sich ein vollständiges Bild der Parteien zu malen. Die Inhalte sind verhackt, zerstückelt und auf Phrasen heruntergebrochen. Vieles was sich auf den ersten Blick gut anhört, lässt dann doch wieder viele Fragen offen… und der Wähler fragt sich, wie das ganze Bild jetzt zusammen passen soll.
Ich mag einfach noch nicht akzeptieren, dass dies nun der Wahlkampf gewesen ist. In den letzten Wochen habe ich bestimmt über 6 Stunden mit Talkshows, Duellen und Co. verbracht … und rausgekommen ist doch herzlich wenig. Irgendwie muss das doch besser gehen … sonst bestimmt bald der Wahl-O-Mat wer in Deutschland regiert … knapp 3 Millionen Bürger haben den schon genutzt.
Von mir aus können die auch alle Feierabend machen und nach Hause gehen. Ich hab bereits gebriefwählt. Mit Beginn des Wahlkampfs wird sowieso schlagartig irrelevant, was die Leute von sich geben. Ende der Märchenstunde ist frühstens nach Wahlschluss. Bis dahin zählt allenfalls noch, ob Politiker es schaffen, sich noch pünktlich in Probleme reinzureiten (Dienstwagen, Ackermann-Partys, Nazis Interviews geben…).
Da bin ich doch froh, doch nicht die Piraten gewählt zu haben, nachdem man da offenbar doch noch mal 4 Jahre brauchen wird, um ein politisches Bewusstsein zu entwickeln, was über den nerdigen Qudratmeter vorm Bildschirm hinausgeht. Ein wenig instinklos ist es halt schon, der Jungen Freiheit ein Interview zu geben, nachdem man bereits durch die grenzwertigen Thesen eines Mitglieds dichter an den recht Rand geschoben wurde, als es der Partei recht sein konnte. Naja, ham die Piraten wieder was gelernt.
Klar … würden sich die Piraten wie jede andere Partei verhalten, dann würden sie sich die Presse aussuchen, in welcher sie ihre Interviews geben. Und schliesslich weiss man ja ganz genau, dass man Rechte am besten aus dem rechten Lager holt, indem man nicht mit ihnen spricht. Das klappt die ganzen Jahre auch schon super – sieht man bei den anderen Parteien.
Die Diskussion ist mal wieder typisch. Anstatt über die Inhalte des Interviews zu sprechen, geht es nur darum – wie und wo es statt gefunden hat. Dabei ist es nicht unwahrscheinlich, dass als nächstes die rechten Meinungen im Netz zensiert werden und dann die radikal Linken und so weiter …
Nur um das klar zustellen … auch für mich hat Meinungsgfreiheit ihre Grenzen. Doch darüber soll ein Richter entscheiden und nicht das BKA.
Ich kann bei den Piraten als Partei keinen Funken rechte Ideologie erkennen … solange das so bleibt habe ich da kein Problem und befürworte sogar den Dialog mit allen politischen Rändern. Links, Rechts, Mitte, Draussen, Aussen … ich verstehe nicht warum die Verpackung so wichtig ist – es kommt doch drauf an, was drin ist.
Das Problem sehe ich auch viel weniger darin, dass das Interview gegeben wurde, oder, was gesagt wurde. Mich stört eher, dass jemand nicht weiß, wem er das Interview gegeben hat. Da fehlen ein wenig Weitblick und Medienkompetenz, für die diese Partei eigentlich stehen sollte.
Diese Interviewnummer war ein Blindflug. Mit so einer Aktion bringt man die Internetzensur mit der Freiheit auf rassistische/antisemitische/etc. Meinungsäußerungen zusammen. Und wenn jemand nicht über das Gespür verfügt, in dieser Verkettung ein Problem erkennt, legt das nahe, dass es ihm zumindest egal ist.
Was das Abholen der Wähler des rechten Lagers betrifft: dafür sollte man schon wissen, mit wem man es zu tun hat. Es gibt zwar sicherlich eine Menge rechter Protestwähler, aber nicht allzuviele Junge-Freiheit-Leser, die ihre Wahl als unideologische Protestwahl sehen.