Die Zensur ist tot – es lebe die Zensur!

Die SPD hatte zum Dialog über die Internetsperren geladen. Über das Treffen wurde detailiert auf netzpolitik.org berichtet.

Ein Polarisierungspunkt in der Diskussion ist weiterhin der Begriff “Zensur”.

Die SPD beruft sich auf einen ZEIT-Artikel mit dem Titel “Keine Zensur“, welcher die Verwendung des Begriffs “Zensur” im Kontext der Internetsperren verurteilt. Es macht also Sinn, sich mit diesem nochmal genauer zu befassen:

Zensur ist ein starkes Wort. Es ruft den ganzen Assoziationsraum von Diktatur, geistiger Gängelung und systematischer Unterdrückung auf. Es rückt die Bundesrepublik in die Nähe von Unrechtsregimen. Es adelt die Kritiker der Zensur zu Vorkämpfern der Freiheit.

Stimmt. Zensur ist ein starkes Wort. Und genau deswegen versucht die SPD diesen Vorwurf von sich zu weisen und betont “doch zu den Guten und nicht zu den Bösen” zu gehören.

Aber genau so ein starkes Wort ist “Kinderpornographie”, das ebenso schnell in “Gut” und “Böse” einordnet. Vielleicht brauchte es daher das starke Wort “Zensur”, damit beide Seiten überhaupt in die Diskussion über die Sache kommen können.

Dass es den Regierenden bei den Internetsperren nicht nur um Kinderpornos geht ist ja bereits deutlich klar geworden.

Doch ist der Begriff “Zensur” jetzt gerechtfertigt, oder nicht?

Historisch ist das Zensurverbot in Artikel 5 Absatz 1 Satz 3 Grundgesetz die schöne Zwillingsschwester der Pressefreiheit. Das Verbot der Zensur sollte ursprünglich verhindern, dass Zeitungen oder Flugschriften vor ihrer Veröffentlichung einer staatlichen Behörde, eben dem Zensor, zur Freigabe vorgelegt werden mussten.

Auch heute ist deshalb unter Juristen praktisch unbestritten, dass das Grundgesetz nur die »Vorzensur« verbietet, also die präventive Kontrolle von Meinungsäußerungen. Die Karlsruher Richter lassen daran keinen Zweifel: »Die Verfassung kann mit diesem kategorischen Verbot jeder Zensur nur die Vorzensur gemeint haben.«

Die Unterscheidung in “Vor-” und “Nach-Zensur” macht erstmal Sinn.

Bei den Internetsperren handelt es sich ganz klar um eine “Nach-Zensur”, da ja erstmal jeder eine Seite im Internet veröffentlichen darf.

Genauso wie das starke Wort “Kinderpornographie” bereits von weiteren Sperr-Begehrlichkeiten aufgeweicht wurde, so muss man diese Aufweichung des Wortes “Zensur” erstmal akzeptieren.

Doch darf man die Internetsperren einfach nur “Zensur” nennen?

Meiner Meinung nach ein klares JA.

Folgende Begründung: Wir reden über “Sperren” im Internet. Und im Internet ist einfach keine “Vor-Zensur” machbar oder denkbar.

Im Grunde fing diese Entwicklung bereits mit der Einführung von Fotokopiergeräten an. Kein Staat der Welt kann effektiv verhindern, dass jemand Flugblätter druckt oder eine Internetseite erstellt. Eine “Vor-Zensur” ist ggf. noch bei den traditionellen Medien (TV, Radio und Zeitung) denkbar, doch diese haben bereits durch das Internet ihre informationsregulierende Stellung verlohren.

Praktisch existiert daher nur noch die “Nach-Zensur”. Die “Vor-Zensur” ist tot … und eine Verwechslung der beiden Begriffe ist im aktuellen Kontext damit ausgeschlossen. Eine verallgemeinernde Verkürzung auf “Zensur” ist daher das naheliegendste und durchaus legitim.

Ist der Artikel 5 “Eine Zensur findet nicht statt” jetzt überflüssig?

Wenn man ihn wie DIE ZEIT auf den historischen Kontext reduziert, dann ja … und wir können uns gelassen zurücklehnen und den Sieg des Internets über die Zensur feiern.

Doch DIE ZEIT schreibt auch ganz richtig …

»Eine Zensur findet nicht statt.« Das ist uraltes liberales Gedankengut [..]

Der Begriff “Zensur” ist ein Politikum geworden. Er ist frei geworden zur Belegung mit neuem Inhalt.

Wie kann eine aktuelle Definition von “Zensur” aussehen?

Ist eine historische Definition nicht mehr auf die aktuelle Zeit übertragbar, so muss man sich nach dem Wesen von “Zensur” fragen.

Jeder kann heute dank Internet frei eine Information oder Meinung in den öffentlichen Raum bringen. Doch was nützt dies, wenn der “Staat” diese innerhalb kürzester Zeit wieder sperren oder filtern kann?

Ich finde die Definition des Wortes “Zensur” im Brockhaus immer noch sehr zeitgemäss:

Zensur [lateinisch] die [...] staatliche Überwachung und Unterdrückung von Veröffentlichungen [...].

Und “staatlich” meint hier ohne einen unabhängigen Richter.

Fazit

Wenn eine Sperrung von Internetseiten …

  • mit der Legitimierung eines Richters erfolgt = keine Zensur.
  • ohne die Legitimierung eines Richters erfolgt = Zensur.

Und das aktuelle Gesetz, dass die SPD mit beschlossen hat – fällt in die letztere Kategorie.

Die Politik und der Rechtsstaat

Jetzt haben wir so oft die Worte “Strafrecht” und “Straftaten” gehört … da passt es doch gut, nochmal das ZDF-Interview mit dem Strafrechtler Prof. Peter-Alexis Albrecht (Uni Frankfurt) aus dem Jahre 2007 Revue passieren zu lassen.

Der Mann ist übrigens Träger des Bundesverdienstkreuzes – falls da jemand was drauf gibt.

Zypries: Der Dreck muss aus dem Internet

Auch wenn bereits auf Netzpolitik.org aufwendig kommentiert … Bundesjustizministerin Zypries argumentiert sich im Interview mit Welt-Online mal wieder um Kopf und Kragen.

Angesprochen auf die Internet-Zensur, sagt Zypries …

Es geht nicht um Zensur. Es geht darum, strafbare Inhalte aus dem Netz zu entfernen.

Was ich dabei nicht verstehe … wie kann die Justizministerin bei den Internetsperren davon reden, dass es ihr um das Entfernen von “strafbaren Inhalte” geht, wenn bei der Beurteilung was strafbar ist, kein Richter dabei ist.

Natürlich soll die Polizei handeln, wenn sie eine Straftat im Internet vermutet, Beweise sammeln und potentielle Täter dingfest machen. Doch die Justiz spricht das Urteil und bestätigt, dass es sich um eine Straftat handelt. So “entfernt” man Straftaten aus dem Internet in einer Demokratie mit einer anständigen Gewaltenteilung. Dazu braucht es keine Internetsperren.

Liebe Frau Zypries …

Vielleicht geht es ihnen ja wirklich nicht um Zensur …. doch gerade Sie als Justizministerin können doch nicht verleugnen, dass es sich de facto um eine Zensur handelt.

Wenn Sie wirklich einen Dialog mit der Netzgemeinde führen wollen, dann erklären sie doch uns doch mal bitte sachlich warum wir uns irren … der Dialog mit anderen Interessengruppen scheint ja zu klappen:

Zypries: Es war nicht ganz einfach, einen Anwalt zu finden, der bereit war, uns in den USA gegen Google zu vertreten. [..] Ich habe die Verlage schon mehrfach ermahnt: Macht nicht dieselben Fehler wie die Musikindustrie!

Diese Aussage hört sich für mich danach an, als ob das Ministerium von Frau Zypries dem Lobbyverband der Verleger einen Anwalt besorgt hat, der gegen die Digitalisierung von Büchern klagt. Sie macht sich sogar wörtlich mit einem “Wir” (uns) mit den Verlegern gemein.

Wenns nach den Verlegern geht … sind Verstösse gegen das Urheberrecht, ja auch bald “strafbar”. Dann wäre der ganze Dreck endlich aus dem Internet. Und die Gerichte wären nicht mehr überlastet … weil einen Richter bräuchte das BKA ja beim “Entfernen der Inhalte” nicht fragen. Praktisch :(

Urheberrechtsverstöße zu Straftat

Nachdem bereits eine Ausdehnung der Internetsperren auf Killerspiele und Hass-Seiten im Gespräch sind, hier meine Frage:

Wie lange wird es dauern, bis Seiten im Internet gesperrt werden, weil diese im Konflikt zum Urheberrecht stehen?

Klingt unwahrscheinlich? In den Köpfen mancher Eliten in Deutschland könnte das bereits auf der Wunschliste stehen …

Hier ist aber nicht PirateBay das grosse Feindbild, sondern am liebsten würde man Google und YouTube sperren können …

Jeder Zwang, jede Nötigung zur Publikation in einer bestimmten Form ist ebenso inakzeptabel wie die politische Toleranz gegenüber Raubkopien, wie sie Google derzeit massenhaft herstellt.

Dieser Satz stammt aus dem Heidelberger Appell (März 2009), welcher von rund 2600 Verlegern & Autoren unterzeichnet wurde … darunter auch viele Professoren.

Der Appell richtet sich zentral gegen OpenAccess sowie gegen die Verletzung des Urheberrechtes von künstlerischen und wissenschaftlichen Werken im Internet. Hier nochmal ein paar Kernsätze des Appells …

Die Unterzeichner appellieren nachdrücklich an die Bundesregierung und die Regierungen der Länder, das bestehende Urheberrecht, die Publikationsfreiheit und die Freiheit von Forschung und Lehre entschlossen und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen.

… und nochmal wird mit der Freiheit und sogar mit dem Grundgesetz argumentiert:

Die Freiheit von Literatur, Kunst und Wissenschaft ist ein zentrales Verfassungsgut. Verlieren wir sie, verlieren wir unsere Zukunft.

Warum ist das alles interessant?

  1. Diese “kleine Gruppe” hat einen grossen Einfluss auf die Politik
  2. Es ist die genaue Gegenposition zur Forderung der Piratenpartei … die sind für OpenAccess und das Urheberrecht wollen sie eher entschärfen.

Ersteres zeigt ein Zitat aus der Wikipedia ..

Die Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD), der Chef des Bundeskanzleramtes Thomas de Maizière (CDU), der Staatsminister Bernd Neumann (CDU) und Hans-Joachim Otto (FDP), Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien, drückten dem Heidelberger Appell im April 2009 ihre Unterstützung aus.

Was der Appell mit “Verteidigung” der Urheberrechte meint, hört sich auf einer Tagung gesponsort von der Frankfurter Allgemeine Zeitung dann so an …

“Das Zivilrecht reicht nicht aus.” Reuß forderte ein selbsttätiges Eingreifen der Staatsanwaltschaft. Dafür müssten Urheberrechtsverstöße zur Straftat erklärt werden. Und dies möglichst auf europäischer Ebene.

Scheint als ob die Musikindustrie neue Verbündete gefunden hat.

Die Presse ist tot – es lebe die Presse!

Presse und Verlage sind in Deutschland in der inhaltlichen Krise. Kostenlose Informationen gibt es im Internet in Mengen … da sieht es kaum noch jemand ein, für eine Zeitung zu zahlen. Blogs, YouTube, Podcasts oder selbst kostenlose Onlineseiten wie spiegel.de oder heise.de überschwemmen uns mit Informationen.

Informationsvielfalt ist gut

Also ich finde das im Grunde nicht schlecht … denn ich nehme mehr Informationen denn je auf. Vielfalt ist gut. Und ich mache mir meinen eigenen Mix – ich lese/höre/sehe was mich interessiert aus verschiedenen Quellen. Nicht nur das was der Chefredakteur einer Zeitung meint, was mich interessieren könnte/sollte.

Was mir fehlt

Mein Problem: Ich vertraue den (kostenlosen) Informationen auch weniger. Blogs werden von Amateuren geschrieben – wie ich selbst einer bin, etc. … woher weiss ich, dass ich mir aufgrund dieser Information auch eine Meinung bilden kann. Ich habe einfach nicht die Zeit, all die Fakten zu überprüfen.

Eigentlich sehne ich mich nach dem klassichen Handwerk eines Journalisten: Gute saubere und ausgewogene Recherche sowie investigativer Journalismus, der den Fragen nachgeht, die mich interessieren.

Kein Wunder, dass die Auflagen und Umsaetze der Verlage sinken oder sogar in die roten Zahlen gehen. Denn sie erfüllen dieses Bedürfnis aus meinen Augen nicht mehr.

Eine mögliche Zukunft der Presse

Ich wäre bereit ein Abo für eine Zeitung abzuschliessen, die ich zum Wochenende in Papierform erhalte und welche viele von den Informationen, welche ich über die Woche im Internet aufgenommen habe, nach gutem altem journalistischen Handwerk untersucht, bewertet und ergänzt.

Technsiche Machbarkeit und Finanzierung mal aussen vor … cool wäre das schon. Dann würde ich mich auch mal wieder mit ner Zeitung und nicht mit meinem Laptop ins Cafe setzen ;)

Massenimpfung gegen Schweinegrippe

Man mags kaum glauben! Es gibt nun eine freiwillige Impfung gegen die Schweinegrippe in Deutschland!

tagesschau.de: Freiwillige Massenimpfung im Herbst

In Deutschland wird im Herbst die größte Impfaktion der Bevölkerung seit fast 50 Jahren anlaufen.

Insgesamt werden zunächst 50 Millionen Impfdosen zur Verfügung stehen, damit 25 Millionen Menschen in zwei Durchgängen geimpft werden können. Die Bestellung hatten gestern die Bundesländer beschlossen.

Bilanz in Deutschland zur Schweinegrippe bisher 834 Erkrankungen … und soweit mir bekannt 0 Tote.

In den USA wird sogar eine Zwangsimpfung in Erwägung gezogen … kritische Stimmen gibt es bereits im Internet – in Form eines Musikvideos:

Wie mit allen Informationen im Internet natürlich mit Vorsicht zu geniessen, doch es wirft interessante Fragen auf. Mal sehen, was sich da demnächst im deutschen Internet tut.

Was ist besonders schön an Deutschland?

Das ZDF moderiert auf YouTube den OpenReichstag … Politiker stellen Fragen – Bürger antworten … per Video.

Auf die Frage von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt “Was ist besonders schön an Deutschland?”, gabs z.B. folgende Video-Antwort … Bauer Heinrich Schulte-Brömmelkamp:

Ich finde besonders schön, dass heute mal wieder die Sonne scheint … bin dann mal weg zum Arbeiten ins Strandcafe an der Modersohnbrücke :)

Beleidigung vs. Meinungsfreiheit

Nachdem anfangs die Debatte um die Internetsperren überwiegend sachlich geführt wurde, wird der Umgangston zwischen Politik und Online-Aktivisten nun rauher.

Heise.de berichtet …

Konkret beklagte sich Fischer über eine regelrechte Kampagne einzelner Nutzer, etwa einen auch unter dem Pseudonym “Turbo Tux” bekannten Aktivisten, gegen die wirtschaftspolitische Sprecherin der Fraktion, Ute Berg. Schon seit Monaten diffamiere der User die Politikerin teils öffentlich als “Verräterin” und “Zicke”. [...] In der Union würden die Verleumdungen aber als Bestätigung für die These gesehen, dass es im Netz “rechtsfreie Räume” gebe und die Politik auf eine verstärkte Regulierung von Online-Foren setzen müsse.

Wo hört die Meinungsfreiheit auf, wo fängt die Verleumdung an?

Schliesslich gibts auch den Beleidigungstatbestand. Hierzu die Wikipedia:

Strafbar ist demnach die Kundgabe von Missachtung oder Nichtachtung gegenüber dem Beleidigten oder Dritten. [..] Die Kundgabe muss ehrverletzend sein, was bei bloßen Unhöflichkeiten oder Taktlosigkeiten noch nicht der Fall ist.

Die Frage ist juristisch spannend … (mehr Info erwünscht) … doch wie sieht das im Alltag aus?

Ist das Internet an den Umgangsformen schuld?

Das Fernsehen lebt uns diesen “würdefreihen” Raum ja ständig vor. Auch wenn man heute wirklich nicht mehr unterscheiden kann, ob da Schauspieler oder echte Menschen sich die Beleidigungen um die Ohren werfen. Das sich sowas dann in den Alltag und das Internet weiterträgt – wenn wundert’s. Oder denken wir doch mal an den Meister der öffentlichen Beleidigungen: Dieter Bohlen.

Doch zurück zum Anfang

Es ging um die Bezeichnungen “Verräterin” und “Zicke”.

Letzteres kann man vielleicht im Privaten äussern – aber nicht im Netz – soviel Respekt muss sein. Ersteres lässt sich allerdings ohne rechtliche Problematik viel deutlicher aussprechen … z.B. “Ich fühle mich von Frau Ute Berg verraten”.

Die Gitarrenfront erwacht …

Jetzt haben sich auch Musiker aus der Gitarrenfront erhoben und einen Song gegen das Internetzensur-Gesetz gemacht …

Gefunden bei netzpolitik.org.

Ich fand den Technosong ja ein bischen griffiger, aber schön, dass man auf der nächsten Demo den Musikgeschmack breiter fächern kann. Bisher dabei: Techno, Rock und HipHop :)

Zentrales Datensammeln geht weiter …

Es gibt neue Datensammelpläne der EU … man träumt von einer grossen zentralen Datenbank.

Spiegel Online: Brüssel will sensible Bürgerdaten zentral sammeln

Mal wieder gehts erst nur um Kriminelle, Ausländer und Asylanten, welche erfasst werden sollen. Doch wir ahnen ja schon wie sowas läuft …

… und klar, dass sowas wieder erst nach den Europawahlen auf den Tisch kommt.

Ein Mann ist übrigens laut Spiegel Online ein ganz grosser Befürworter dieser Idee: Wolfgang Schäuble (CDU)

Dieser machte bei einer Wahlveranstaltung in München mal wieder seine Standpunkte deutlich:

Die “Verunsicherung der jungen Leute” in Bezug auf die in der vergangenen Legislaturperiode geschaffenen Sicherheitsgesetze nannte Schäuble völlig ohne Grund. Ohne Sicherheit könne es keine Freiheit geben. Die Grundrechte müssten durch Regeln beschränkt werden, so der Bundesinnenminister.

  • Klarer Kurs … doch vor welcher Gefahr will er uns beschützen?
  • In welchem Verhältnis steht das zu den Eingriffen in das Grundgesetz?

Zum BKA-Gesetz sagte Schäuble, wenn die Polizei nicht wisse, wo etwas wann passiere, könne sie “eben erst hinterher kommen”. In bestimmten, eng eingegrenzten Fällen sei daher die Einschränkung von Brief- und Fernmeldegeheimnis gerechtfertigt und daher auch die Online-Durchsuchung.

  • Was ist den mit “etwas” gemeint?
  • Seit wann ist die Polizei denn bereits vor den Verbrechern am Tartort?
  • Und arbeiten die professionellen Verbrecher nicht mit Codeworten und Verschlüsselungen?

Ab August wird das Internet zensiert

Jetzt ist das Gesetz zur Sperrung von Internetseiten auch vom Bundesrat gebilligt worden. Ab 1. August werden für die Internetzugangsanbieter (Provider) die Netzsperren verpflichtend.

Hier ein paar Fakten:

  • Zugangsanbieter mit 10.000+ Kunden müssen sperren
  • Das Gesetz ist zunächst auf drei Jahre befristet
  • Das BKA entscheidet – ohne Richter – welche Seiten gesperrt werden
  • Keine pauschale Ausnahme bei Sperrung für Universitäten
  • 5 Experten machen mind. alle 1/4 Jahre Stichproben
  • 50.000 Euro Strafe für Provider, die nicht Sperren

Ausweitung der Sperren etwa auf “Killer-Spiele” oder Hass-Seiten wird unter anderem vom Zentralverband der Sinti und Roma beziehungsweise von CDU-Politikern bereits gefordert.

Als letztes muss noch Bundespräsident Köhler das Gesetz unterzeichnen … doch das ist so gut wie reine Formsache. Der AK Zensur glaubt nur an eine 10% Wahrscheinlichkeit, dass Köhler die Unterschrift verweigert.

Meiner Meinung nach, könnte er seine Unterschrift zumindest bis zum Urteil des Verfassungsgericht aussetzen. Scheinbar war das auch beim Vertrag von Lissabon möglich. Der Präsident würde durch diese Geste zum einen die 134.000 Unterzeichner der erfolgreichsten Petition in Deutschland respektieren und auf der anderen Seite Schaden von der deutschen Wirtschaft abhalten. Denn wenn die Internetprovider jetzt die Investitionen für die Zensurinfrastruktur tätigen und dann später das Gesetz vom Verfassungsgericht gekippt wird, wurde mal wieder umsonst Geld verbrannt – unser Geld. Denn schliesslich zahlen wir für unsere Überwachung selbst – jeden Monat mit der DSL-Rechnung.

Zypries: Hass-Seiten im Internet sperren!

Ich dachte es zieht mir die Schuhe aus … Bundesjustizministerin Brigitte Zypries legt in der der Diskussion um Internetsperren nach:

„Der Hass muss raus aus dem Internet“, gab Zypries als Ziel vor. Dies könne jedoch nicht nur mit Hilfe von Sperrungen erreicht werden.

Quelle: SPD Internetseite vorwaerts.de

Nicht mal einen Monat, nachdem das Internetzensurgesetz beschlossen wurde – welches sich nur gegen Kinderporno richten sollte – wachsen jetzt bereits bei der SPD die Begehrlichkeiten auch andere Inhalte zu sperren!

Nachdem Schlagwort “Kinderporno”, geht es jetzt um das Thema “rechte Progadanda”. Was kommt als naechstes?!? … ich fuehre das Zitat weiter aus:

Wichtig sei auch, die Medienkompetenz in der Gesellschaft zu fördern und über Strategien der Rechten aufzuklären. Schließlich könnten diese auch mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden. In diesem Zusammenhang rief die Justizministerin zu einer „digitalen Gegendemonstration“ auf, indem etwa antirassistische Videos ins Internet gestellt würden.

Genau Frau Zypries, sie wissen wie eine “digitale Gegendemonstration” funktioniert. Sie sind Chef!

Aber zurueck zum Thema: Natuerlich ist “rechte Propaganda” im Internet ein echtes Problem. Und im Gegensatz zu Kinderpornos, findet man diese ohne Probleme auf YouTube, StudiVZ, etc.

Die von Frau Zypries vorgeschlagene “Gegenpropaganda” bringt allerdings nichts … der Amerikaner sagt dazu “preaching to the quire” … auf deutsch: zur falschen Seite predigen. Wir alle wissen, dass Rassismus Bloedsinn ist … dies ohne Argumente stupide auf Youtube zu posten, wird gar nichts bringen.

In einem Punkt hat Frau Zypries aber recht: Rechte Inhalte im Netz, welche gegen geltendes Recht verstossen gehoeren geloescht! Und das scheint ja auch ganz gut zu gehen …

Die Zusammenarbeit mit den Internetanbietern lobte Glaser ausdrücklich. „Sie funktioniert auch im Ausland sehr gut.“ Wenn ein Provider auf Hass-Inhalte hingewiesen werde, reagiere er in den meisten Fällen und lösche die Seite.

An den Inhalten – welche ‘nur’ in den Bereich Rechtspopulismus fallen, muessen wir aber unsere Gegen-Argumente erproben. Denn zur Kommunikation – auch mit ‘Rechten’ – bietet das Internet mehr Moeglichkeiten denn je … und das kann man auch als Chance begreifen.

Unangenehme Inhalte einfach wegsperren ist keine Loesung! Das ist Zensur … weil das BKA in Eigenentscheidung – ohne Richter – bestimmen kann, welche Internetseiten unterdrueckt werden. Das muesste doch gerade eine Bundesjustizministerin verstehen!

Nachtrag: Wenn man mit der Rechten Szene über das Internet argumentiert, sollte man natürlich dies möglischst “anonym” tun – das geht ja im Netz zum Glück noch … sonst zieht man persönlich den Hass auf sich, wie es einem Rentner ergangen ist … tagesschau.de berichtet. Nur schade, dass den Profi-Journalisten vom NDR nicht aufgefallen ist, dass Zypries hier ein neues Fass für die Ausweitung der Internetzensur aufmacht – eine Erwähnung wäre es wert gewesen.

BBC-Doku: Century of the Self

Heute bin ich auf eine grandiose BBC-Doku gestossen:
Century of the Self“.

“This series is about how those in power have used Freud’s theories to try and control the dangerous crowd in an age of mass democracy.” – Adam Curtis’ introduction to the first episode.

Verlangt zwar etwas Zeit … ne knappe Stunde … aber wer nur an ein oder zwei der folgenden Begriffe Interesse hat, dem ist gute informative Unterhaltung garantiert:

  • Werbung / Public Relations / Lobbyismus
  • Konsum
  • Controlling Crowds
  • Eliten
  • Erster Börsenchrash / Finanzkrise
  • Scheitern einer Demokratie
  • Progapanda
  • New Deal

Und das gibts natürlich alles kostenlos im Internet … einen Zugang zu Informationen, den ich nicht mehr missen will :)

Die Doku hat vier Episoden. Sie fängt am Anfang des Jahrhunderts an und zeigt die Entwicklung bis Mitte der Neunziger. Das Ende finde ich besonders spannend. Hier die letzten 10 Minuten …

Internet-Generation

Die Radiosendung HR2 “Der Tag” hat neulich folgenden Beitrag gebracht

Yo–ho und ne Buddel voll Bits – die Piratenpartei nimmt Fahrt auf

Den Kern der Sendung bringt dabei Urs Gasser (Berkman Center for Internet & Society @ Havard University und Autor des Buches “Generation Internet”) auf den Punkt:

Es gibt einen breiten wissenschaftlichen Kosens darüber, dass sich die Alltagswelt durch das Internet in folgenden Punkten ändert:

  1. Der Zugang und die Bewertung von Information
  2. Die Struktur von Kommunikation
  3. Das Verhältnis zu gesellschaftlichen Institutionen

Letzteres lässt sich meiner Meinung nach sogar als Konsequenz aus den ersten beiden Punkten ableiten. Im Grunde keine neue Erkenntnis … aber gut, dass dies der Nicht-Internet-Generation nochmal klar im Radio verdeutlicht wird :)

Da erlaube ich mir doch nochmal auf MC Lars (2006) zu verlinken …

“iGeneration” von MC Lars
Download MP3

Get your shot of protection!

Was ist denn jetzt mit der Schweine-Grippe? Schon alles vorbei?!? … schade, dann wird es bestimmt keine Neuauflage der Werbe-Aufklärungs-Spots aus dem Jahre 1976 geben ;)