Zypries verstehts einfach nicht :(

Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) äussert sich in der TAZ zur Internetsperre und zur Piratenpartei. Sie versteht absolut nicht, was da gerade passiert.

Zum Internet-Zensur-Gesetz sagt Zypries:

Und es ist ja nicht so, dass wir nicht mit den Kritikern der Internetsperren geredet hätten. Ihre Argumente sind berücksichtigt worden, wir haben die Regelung eng ausgestaltet, Rechtsschutz eingebaut und das Ganze auf drei Jahre befristet. Zur Wahrhaftigkeit im politischen Diskurs würde es gehören, das auch anzuerkennen. Daran fehlt es aber.

Liebe Frau Zypries … um die Kritiker zu verstehen, hätte es gereicht sich aufmerksam den sehr kurzen und knappen Text der Onlinepetition durchzulesen, welchen über 130.000 Bürger unterschrieben haben.

Dort heisst es:

Wir halten das geplante Vorgehen, Internetseiten vom BKA indizieren & von den Providern sperren zu lassen, für undurchsichtig & unkontrollierbar, da die “Sperrlisten” weder einsehbar sind noch genau festgelegt ist, nach welchen Kriterien Webseiten auf die Liste gesetzt werden.

In einer Demokratie gibt es nicht ohne Grund so etwas wie “Gewaltenteilung”. Die Petition will gerade nicht, dass das Bundeskriminalamt aus eigenem Ermessen heraus Seiten im Internet sperren kann. Bei einer so harten Massnahme wie Zensur, die tief in das Grundrecht auf Informationsfreiheit eingreift, hat ganz klar ein Richter zu entscheiden, ob eine Seite gesperrt werden darf oder nicht.

Und genau in diesem Punkt … liebe Frau Zypries … haben sie ihr Gesetz nur halbherzig der Kritik angepasst. Sie haben ein Gremium eingerichtet, dass alle halbe Jahre mal Stichproben macht, ob das BKA Seiten zu recht sperrt oder nicht – alles hinter verschlossenen Türen. Dieses Gremium besteht aus Personen mit Eignung zum Richteramt. Warum dieser Eiertanz? Warum nicht gleich ganz sauber ein Richterentscheid vor der Sperrung einer Seite? Die aktuelle Lösung wirkt dagegen so schwammig und undurchsichtig, dass niemand aus der Netzgemeinde darauf vertraut.

Dabei wurde von Regierungsseite immer wieder betont, dass illegale Seiten im Internet erst gelöscht und dann – wenn Löschung nicht möglich – gesperrt werden sollen. Doch Frau Zypries … was wir nicht verstehen … wenn man sich schon die Zeit nimmt, Provider aufzufordern die Seiten vom Netz zu nehmen. Warum bleibt dann nicht auch die Zeit, einen echten Richter über die Sperrung entscheiden zu lassen?

Ich habe bisher nicht ein gutes Argument gehört, warum in der Frage der Internetsperren ein vorlaufender Richterentscheid unmöglich ist. Und das gerade eine Justizministerin sich in diesem Punkt nicht glasklar dem demokratischen Grundprinzip der Gewaltenteilung verpflichtet fühlt, hinterlässt einen faden Beigeschmack und hat Vertrauen zerstört – das ist bedauerlich.

Mogelpackung im Kampf gegen Kinderporno

Es ist schon traurig …. die CDU brüstet sich weiter damit, Kinderpornographie im grossen Stil zu bekämpfen – mit der Internetzensur will sie diesen Dreck aus dem Internet kehren. Das macht grossen Eindruck auf den Wahlveranstaltungen und erobert die Herzen alter Leute.

Doch Abseits vom Whalkampfgetöse – in der Realität – bietet sich ein anderes Bild. In Halle (Sachsen-Anhalt) wo sich CDU und SPD die Regierungsverantwortung teilen, lautet die Schlagzeile:

MDR.de: Ermittlungsstau – Kinderpornografie-Ermittler gibt auf

Nach Angaben von Kolb könnten allein im Amtsgerichtsbezirk Halle-Quedlinburg-Wernigerode 135 Kinderporno-Verfahren scheitern, weil die Beweis-Auswertung zu lange dauere.

Der Grund: Personalmangel – Die Situation soll sich in anderen Bundesländern nicht gross von der in Halle unterscheiden.

Die Bundesregierung hat zur Einführung der Intrenetzensur ganz laut versprochen: Täter verfolgen, Inhalte Löschen … und erst als letztes Mittel Seiten sperren/verstecken/zensieren. Wie das in der Realität laufen wird, kann man sich also denken.

Das ganze Geld, was jetzt in die Zensurtechnik gesteckt wird … wäre tausenmal besser investiert gewesen, hätte man den Länder mit Geld für Ermittler unter die Arme gegriffen. Aber statt dessen bekommen wir nun eine Mogelpackung im Kampf gegen Kinderpornos. Traurig.