Zypries: Der Dreck muss aus dem Internet

Auch wenn bereits auf Netzpolitik.org aufwendig kommentiert … Bundesjustizministerin Zypries argumentiert sich im Interview mit Welt-Online mal wieder um Kopf und Kragen.

Angesprochen auf die Internet-Zensur, sagt Zypries …

Es geht nicht um Zensur. Es geht darum, strafbare Inhalte aus dem Netz zu entfernen.

Was ich dabei nicht verstehe … wie kann die Justizministerin bei den Internetsperren davon reden, dass es ihr um das Entfernen von “strafbaren Inhalte” geht, wenn bei der Beurteilung was strafbar ist, kein Richter dabei ist.

Natürlich soll die Polizei handeln, wenn sie eine Straftat im Internet vermutet, Beweise sammeln und potentielle Täter dingfest machen. Doch die Justiz spricht das Urteil und bestätigt, dass es sich um eine Straftat handelt. So “entfernt” man Straftaten aus dem Internet in einer Demokratie mit einer anständigen Gewaltenteilung. Dazu braucht es keine Internetsperren.

Liebe Frau Zypries …

Vielleicht geht es ihnen ja wirklich nicht um Zensur …. doch gerade Sie als Justizministerin können doch nicht verleugnen, dass es sich de facto um eine Zensur handelt.

Wenn Sie wirklich einen Dialog mit der Netzgemeinde führen wollen, dann erklären sie doch uns doch mal bitte sachlich warum wir uns irren … der Dialog mit anderen Interessengruppen scheint ja zu klappen:

Zypries: Es war nicht ganz einfach, einen Anwalt zu finden, der bereit war, uns in den USA gegen Google zu vertreten. [..] Ich habe die Verlage schon mehrfach ermahnt: Macht nicht dieselben Fehler wie die Musikindustrie!

Diese Aussage hört sich für mich danach an, als ob das Ministerium von Frau Zypries dem Lobbyverband der Verleger einen Anwalt besorgt hat, der gegen die Digitalisierung von Büchern klagt. Sie macht sich sogar wörtlich mit einem “Wir” (uns) mit den Verlegern gemein.

Wenns nach den Verlegern geht … sind Verstösse gegen das Urheberrecht, ja auch bald “strafbar”. Dann wäre der ganze Dreck endlich aus dem Internet. Und die Gerichte wären nicht mehr überlastet … weil einen Richter bräuchte das BKA ja beim “Entfernen der Inhalte” nicht fragen. Praktisch :(

Die Gitarrenfront erwacht …

Jetzt haben sich auch Musiker aus der Gitarrenfront erhoben und einen Song gegen das Internetzensur-Gesetz gemacht …

Gefunden bei netzpolitik.org.

Ich fand den Technosong ja ein bischen griffiger, aber schön, dass man auf der nächsten Demo den Musikgeschmack breiter fächern kann. Bisher dabei: Techno, Rock und HipHop :)

Zypries: Hass-Seiten im Internet sperren!

Ich dachte es zieht mir die Schuhe aus … Bundesjustizministerin Brigitte Zypries legt in der der Diskussion um Internetsperren nach:

„Der Hass muss raus aus dem Internet“, gab Zypries als Ziel vor. Dies könne jedoch nicht nur mit Hilfe von Sperrungen erreicht werden.

Quelle: SPD Internetseite vorwaerts.de

Nicht mal einen Monat, nachdem das Internetzensurgesetz beschlossen wurde – welches sich nur gegen Kinderporno richten sollte – wachsen jetzt bereits bei der SPD die Begehrlichkeiten auch andere Inhalte zu sperren!

Nachdem Schlagwort “Kinderporno”, geht es jetzt um das Thema “rechte Progadanda”. Was kommt als naechstes?!? … ich fuehre das Zitat weiter aus:

Wichtig sei auch, die Medienkompetenz in der Gesellschaft zu fördern und über Strategien der Rechten aufzuklären. Schließlich könnten diese auch mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden. In diesem Zusammenhang rief die Justizministerin zu einer „digitalen Gegendemonstration“ auf, indem etwa antirassistische Videos ins Internet gestellt würden.

Genau Frau Zypries, sie wissen wie eine “digitale Gegendemonstration” funktioniert. Sie sind Chef!

Aber zurueck zum Thema: Natuerlich ist “rechte Propaganda” im Internet ein echtes Problem. Und im Gegensatz zu Kinderpornos, findet man diese ohne Probleme auf YouTube, StudiVZ, etc.

Die von Frau Zypries vorgeschlagene “Gegenpropaganda” bringt allerdings nichts … der Amerikaner sagt dazu “preaching to the quire” … auf deutsch: zur falschen Seite predigen. Wir alle wissen, dass Rassismus Bloedsinn ist … dies ohne Argumente stupide auf Youtube zu posten, wird gar nichts bringen.

In einem Punkt hat Frau Zypries aber recht: Rechte Inhalte im Netz, welche gegen geltendes Recht verstossen gehoeren geloescht! Und das scheint ja auch ganz gut zu gehen …

Die Zusammenarbeit mit den Internetanbietern lobte Glaser ausdrücklich. „Sie funktioniert auch im Ausland sehr gut.“ Wenn ein Provider auf Hass-Inhalte hingewiesen werde, reagiere er in den meisten Fällen und lösche die Seite.

An den Inhalten – welche ‘nur’ in den Bereich Rechtspopulismus fallen, muessen wir aber unsere Gegen-Argumente erproben. Denn zur Kommunikation – auch mit ‘Rechten’ – bietet das Internet mehr Moeglichkeiten denn je … und das kann man auch als Chance begreifen.

Unangenehme Inhalte einfach wegsperren ist keine Loesung! Das ist Zensur … weil das BKA in Eigenentscheidung – ohne Richter – bestimmen kann, welche Internetseiten unterdrueckt werden. Das muesste doch gerade eine Bundesjustizministerin verstehen!

Nachtrag: Wenn man mit der Rechten Szene über das Internet argumentiert, sollte man natürlich dies möglischst “anonym” tun – das geht ja im Netz zum Glück noch … sonst zieht man persönlich den Hass auf sich, wie es einem Rentner ergangen ist … tagesschau.de berichtet. Nur schade, dass den Profi-Journalisten vom NDR nicht aufgefallen ist, dass Zypries hier ein neues Fass für die Ausweitung der Internetzensur aufmacht – eine Erwähnung wäre es wert gewesen.

SPD bestreitet Internetzensur

Heute habe ich als Antwort auf mein Fax bei der Aktion ”Politiker des Tages” eine Antwort von Ludwig Stiegler (SPD Bundestangsfraktion) erhalten. 4 Seiten mit Erklaerungsversuchen – viel davon bereits bekannt.

Eine Passage aber habe ich nochmal eingescannt … weil sie zeigt, wie die SPD sich die Internetsperren harmlos redet – bis hin zur Verklaerung des Begriffs ‘Zensur’.

Dort heisst es … hier nochmal augenfreundlich:

Zensur bedeutet, dass eine staatliche Behoerde eine Veroeffentlichung zulaesst, aber ihren Inhalt beeinflusst und veraendert. Dagegen wird beim Sperren der Kinderpornographie nichts beeinflusst oder veraendert, sondern eine bestimmte Art der Veroeffentlichung wegen ihrer Strafbarkeit von vornherein gesetzlich ausgeschlossen.

Folglich ist das Sperren von Inhalten per BKA fuer die SPD keine Zensur.

Dabei reicht ein Blick in die Wikipedia

Zensur (censura) ist ein politisches Verfahren [...] unerwünschte beziehungsweise Gesetzen zuwiderlaufende Inhalte zu unterdrücken [...].

… auch Brockhaus definiert (publizistische) Zensur wie folgt:

Zensur [lateinisch] die [...] staatliche Überwachung und Unterdrückung von Veröffentlichungen [...].

“Ohne Klarheit in der Sprache ist der Mensch nur ein Gartenzwerg.”
(Sven Regener)

Zwar soll es ein mit Richterbefugnissen ausgestattetes Kontrollgremium geben – doch das ist nur nachgelagert und nicht staendig Teil des Prozesses … eine Zensur findet damit statt – auch wenn sie im Neusprech “Zugangserschwernis” heisst.

Kampf um die Mehrheiten: Zensursula vs. Heine

Wie auch schon Netzpolitik.org berichtete, gab es bei Zeit-Online eine Streit-Interview zwischen Familienministerin Ursula von der Leyen und der Petitions-Initiatorin Franziska Heine.

In diesem Interview merkt man schnell, wer den Hosenanzug an hat. Frau von der Leyen mag zwar nicht viel vom Internet verstehen … aber bei der Rhetorik-Weiterbildung hat sie nicht gefehlt. Sie schafft es ihre Idee zu verkaufen und bleibt dabei gelassen in Siegerpose. Franziska wirkt im Interview dagegen aufgeladen und versucht immer wieder aus verschiedenen Winkeln den Angriff auf die Argumentation der Familienministerin … doch irgendwie schafft sie den Durchbruch nicht und der unbedarfte Leser bleibt etwas verwirrt zurueck.

Der wirklich interessante Teil kommt allerdings am Ende des Artikels:

Zenzursula:

Natürlich kann Frustration entstehen, wenn man merkt, dass da auch andere demokratische Prozesse laufen, zum Beispiel Ausschussberatungen, in denen gewählte Vertreter Entscheidungen fällen, oder ein SPD-Parteitag, auf dem ein Beschluss anders fällt, als Sie sich das gewünscht hätten. Aber über diesen Punkt müssen Sie hinweg und sagen: Wir beteiligen uns weiter an den Diskussionen. Protest nutzt wenig, wenn man nicht auch Mehrheiten überzeugt. Dafür steht die Demokratie, die wir haben.

Franziska:

Das tun wir. Für mich ist die Petition der Anfang einer völlig neuen Oppositionsform außerhalb der politischen Parteien. Ich denke, da wird in Zukunft eine Menge passieren.

Jo … genau da hat doch der Frosch die Locken. Hier mal zur Veranschaulichung, welche Mehrheiten die Familienministerin da meint …

So duerfte mal grob die demokratische Ausgangslage in Deutschland aussehen, was Internetthemen angeht.

Allerdings ist die Mehrheit, welche die Ministerin auf ihrer Seite waegt, mehr als enttaeuscht von der Politik der Parteien in Deutschland.

Schade, dass die Zeit nicht nachgefragt hat, was Franziska mit ‘Oppositionsform außerhalb der politischen Parteien’ genau meint.

Du bist APO!

WOW … in der Presse gehts ja ab! Erst wird die Netzgemeinde mit ihrer Kritik an den Internet-Sperren vom Koelner Standtanzeiger als neue Jugendbewegung bezeichnet. Und nun vergleicht Zeit.de im Artikel “Kritiker der Netzsperre wenden sich von Politik ab” diese Bewegung mit der Bildung einer neuen Außerparlamentarische Opposition (APO).

Wahrscheinlich erinnert sich mach ein(e) Alt-68er(in) an seine/ihre Jugend – und es hilft ihm/ihr sich in uns Internet-Hippies reinzudenken. Wenns klappt … meinetwegen … dann will ich gleich nochmal Werbung im APO-Stil fuer einen etwas aelteren Blog-Post von mir zum Thema Europa machen …

Kurz nochmal der Ausschnitt aus der EU-Verfassung (Negativ-Definition zum Artikel 2 – Recht auf Leben), welcher mit dem Vertrag von Lissabon fuer jeden Buerger verpflichtend wird …

3. a) “Eine Tötung wird nicht als Verletzung dieses Artikels betrachtet, wenn sie durch eine Gewaltanwendung verursacht wird, die unbedingt erforderlich ist, um einen Aufruhr oder Aufstand rechtmäßig niederzuschlagen.” (Amtsblatt der Europäischen Union C303/17)

Mehr Infos zu diesem Thema in meinem alten Blog-Post zur Europawahl.

Meine traurige Bilanz nach der Europawahl: Kein Politiker konnte mir erklaeren WARUM das Teil der EU-Verfassung ist bzw. sein muss. Ich habe mich fuer den Dialog geoeffnet … doch was ich bekommen habe, war ein Monolog.

Das gleiche nun mit den Internet-Sperren: Die Netzgemeinde hat sich die groesste Muehe gegeben einen Dialog ueber das Thema herzustellen. Der verantwortliche Teil der Politik hat sich das ueberrascht angehoert … und hat danach einfach stupide ihren eingeuebten Monolog wiederholt.

Was vielleicht im Zeitalter von “Bild, Bams und Glotze” funktioniert hat, erzeugt bei jemanden, der die Interaktivitaet und die Informationsvielfalt des Internets gewoehnt ist, nur noch Unverstaendnis. Kommunikation heute sieht anders aus.

Der zweite Punkt der Enttaeuschung betrifft den Bereich der Mitbestimmung. Ein Kommentar von Frau Dr. Godelieve Quisthoudt-Rowohl, MdEP bringt dies auf den Punkt. Zur Frage, warum die deutschen Buerger nicht selbst ueber die EU-Verfassung abstimmen duerfen, sagt sie:

Grundlage der gesellschaftlichen Ordnung in Deutschland ist die repräsentative Demokratie.

Was sie uns damit sagen will: Alle vier Jahre duerfen wir mal ein Kreuzchen machen … den Rest entscheidet dann die Politik fuer uns. Und nur wegen so etwas unwichtigem wie einer Verfassung – welche die Grundlage unserer Rechte als Buerger gegenueber der EU darstellt – wird doch kein Volksentscheid in Deutschland eingefuehrt.

Wer sich im Internetzeitalter fuer ein Thema interessiert, kann sich schnell und umfassend informieren. Es leuchtet einfach nicht mehr ein, warum man nur alle vier Jahre eine Person waehlen kann, die dann alle Entscheidungen fuer einen trifft.

Noch hat niemand die Antwort, wie Demokratie im Internetzeitalter aussehen kann. Erste Konzepte wie Liquid Democracy stehen erst am Anfang. Doch die Sehnsucht nach den Worten des Altkanzlers Willy Brandt scheinen klar:
“Wir wollen mehr Demokratie wagen!”

Aktuell heisst es aber wohl leider – und das soll die letzte APO-Referenz fuer heute sein: “Unter den Parlaren, der Muff von 40 Jahren!” ;)

[Um den Rest das Artikels zu lesen, musst Du registierter Nutzer sein.]

Du bist Teil einer Jugendbewegung!

Der Koelner Stadtanzeiger hat jetzt offiziell alle Unterzeichner der Petition und Gegner/Kritiker der Internet-Sperren zum Teil einer Jugendbewegung erklaert!

Herzlichen Glueckwunsch … damit geht fuer viele von uns doch noch ein Traum in Erfuellung, den bereits Tocotronic besungen hat … das war 1995 – in meiner Jugend:

Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein

Doch ansonsten ist der Artikel im Koelner Stadtanzeiger viel platte Meinungsmache …

Kinderpornografie ist ein Verbrechen besonderer Art, das den Einsatz besonderer Mittel rechtfertigt.

Wenn dem so waere, warum beschweren sich dann selbst die Landeskriminal-Aemter, dass ihnen die finanziellen Mittel fehlen, um wirklich konsequent gegen Kinderpornograhie vor zu gehen?

Die Argumentation fuer die Internetsperren lautet …

Indem man die „Nachfrage“ verringert, verringert man – hoffentlich – auch das „Angebot“. Und selbst wenn dies nicht gelingt, ist es den Versuch allemal wert gewesen.

Wir sollen also auf die “Hoffnung” setzen, dass es was bringt?!? Nein! Wir wollen “Wandel”! Wir wollen Massnahmen, die wirklich funktionieren – keine Mogelpackungen, wie die Internet-Sperren! Klar vermuten wir, dass die Internetsperren zu einer Zensur des Internets werden … denn immer wenn die Politik uns “Hoffnung” vekauft, sollte wir spektisch werden.

Sie meinen Freiheit ohne Verantwortung. Dabei ist völlig klar, dass das Internet der Kontrolle bedarf – über die Kinderpornografie hinaus.

Das Internet ist bereits heute kein rechtsfreier Raum … veroeffentlichen Sie doch mal eine MP3-Datei von Britney Spears auf ihrer Homepage … viel Spass mit dem Gesetz! Und mit der Vorratsdatenspeicherung ist das Internet sogar besser uerbewacht als jede deutsche Strasse.

Rein technisch betrachtet ist dieses Medium [das Internet] grenzenlos. Doch kann es weder rechtlich, noch politisch, noch moralisch grenzenlos sein. Denn das hieße ja, jeglichen Gestaltungsanspruch aufzugeben. Seltsam ist, dass sich kein Politiker dies offen zu sagen traut.

Nach dieser Logik muessten jeder von uns im Kampf gegen Kinderporno sein Recht auf Privatsspaehre aufgeben. Denn die meisten Missbraeuche finden in der privaten Wohnung statt … nicht im Internet. Seltsam ist, dass sich kein Politiker dies offen zu sagen traut.

P.S.: Vielleicht ist der Artikel bewusst provozierend geschrieben, damit viele Blogger auf diesen verlinken. Damit steigt der Google-PageRank … das ist richtig Kohle wert. Loesungsvorschlag: Solche Seiten am besten mit rel=”nofollow” als zusaetzlichen Parameter im Link … dann wird er “hoffentlich” nicht von Google gewertet.

N-TV Diskussion zu Internetsperren

40.000 Bürger haben bisher nicht ohne Grund die Online-Petition gegen Internet-Sperren in nur drei Tagen unterschrieben.